EIPOTU?

Der Hof ist mit einem Tapis-plein ausgelegt. Der Eingang dem des Petersdoms gleich. Die Schüler werden am Morgen mit leiser Musik empfangen, von der Eingangshalle gelangt jeder in seine Klasse, sei es auf ultra-modernen Rolltreppen oder mit den vielen verfügbaren Aufzügen. Die normalen Treppen sind aus Marmor. Obwohl es die wunderbare antike Außenfassade nicht vermuten lässt, ist die Innenausstattung supermodern.

Rauchen ist erlaubt. Der am Eingang befindliche Tabakladen verteilt an seine Kunden (Schüler) die mit Sorgfalt ausgewählte tägliche Ration Zigaretten, sei es Maryland, John Player Special oder MS. Für die fanatischen Kaugummikauer sei gesagt, dass der Süßwarenstand neben der Boutique zu finden ist. Dort gibt es über hundert Sorten von Kaugummi: harten, weichen, süßen, langen, dünnen etc...

Die Klassenräume sind verschieden; einige sind mit Louis-XV-Möbeln ausgestattet, die anderen wiederum mit Dali-Möbeln.

Wenn sich der Klassensprecher mit seinen Kollegen besprochen hat, wird die Klingel betätigt: das ist der Augenblick, wo die verfügbaren Lehrer eintreten dürfen. Sie verbeugen sich tief, und jeder nennt seine Nummer und sein Fach: "Eins, Mathematik". "Buh, raus hier, der nächste". "Zwei, Sexualkunde". "Verschwinden Sie, aber sofort", schrie wieder die Mehrheit der Schüler. "Drei, ich repräsentiere die Freistunde". "Jaaaaaa". Während der Freistunde dürfen die Schüler je nach Alter in eines der Schulkinos gehen. Mache laufen zur Schulbar. Aber trotzdem haben nicht alle Schüler frei, schließlich sind Schüler intelligent und gönnen sich nur selten solche Freistunden. Sie wollen ja was lernen, um so schnell wie möglich aus diesem "doofen Laden", so nennen es die meisten, hinauszukommen.

Der Unterricht verläuft in lockerer Form. Die Lehrer sind nicht streng und auch nett, sonst wären sie ja nicht an dieser Schule angestellt.

In der Mittagspause gehen einige Schüler nach Hause; die Schultaxis werden zu diesem Zeitpunkt sehr in Anspruch genommen. Die anderen wiederum gehen zum Schulrestaurant. Das Essen wird vom Gehalt der Lehrer finanziert. Die Lehrer essen isoliert in einem von den Schülern bewachten Raum, denn ihr Anblick beim Essen würde den meisten Schülern den Appetit verderben - sie essen die Reste aus der Küche.

Das Menü kann von jedem Schüler selber telefonisch bei Signore Rizutti und Campagnella bestellt werden. Diese beiden Küchenchefs dirigieren eine ganze Anzahl von Köchen, die aus allen Erdteilen eingeflogen werden. Es gibt fünf Hauptköche, aus  jedem Kontinent der Beste, der wiederum eine ganze Mannschaft von hervorragenden Köchen seines Kontinents unter sich hat. Für Afrika ist es Herr Mohammed Harissa, für Amerika Senior Mario Cavallo, für Asien Mehavishnu Sri und Shrimoni kaddar ros o Tare Kris, für Australien Mrs. Jannet Canguru und für Europa Signore Gambadilegno. Die Palette der Menüs reicht von indonesisch bis kanadisch. Die Essenszeit in der Mittagspause beträgt zwei Stunden, danach kann man entweder reiten gehen, Golf spielen, Kino schauen, Flipper oder Billard spielen oder lernen. Die Lehrer müssen inzwischen ihren Unterricht, den sie ab fünf Uhr geben, vorbereiten. Das ist ziemlich schwierig, da sie erst einmal den passenden Film dazu suchen müssen. Anschließend müssen sie einen mitreißenden Vortrag halten, und das können die meisten nicht. Der Unterricht beginnt sowieso erst um sechs, weil die Lehrer immer auf die zu spät kommenden Schüler warten müssen. Die meisten Schüler diskutieren noch in ihren Schülerräumen, in die Lehrer auf keinen Fall eintreten dürfen, da sie sonst den Conseil de Discipline riskieren. Im Lehrerzimmer dürfen die Schüler aufpassen und die Lehrer zusammenschlagen, die sich mucksen.

Ja, so ist das in dieser Schule. Aber man kann von Glück reden; denn in einigen anderen Schulen soll es schon Lehrer geben, die sich weigern, sich auspeitschen zu lassen. So eine Frechheit! Wenn das so weitergeht, wird es bald Schulen geben, wo die Schüler, die den Lehrern Arbeit geben, keine Rechte mehr haben. Nur, der Gedanke an so eine Schule, besser gesagt, Todeshaus, lässt mich frösteln.

Anselme Pau

Die Namen sind alle erfunden. Ähnlichkeiten mit echten Personen sind "rein" zufällig. Hust, hust...!!